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Deutz, 22.03.2012, aus Kölnischer
Rundschau.
"Wem will man das denn zumuten?"
Widerstand gegen eine Unterschutzstellung des
Ingenieurwissenschaftlichen Zentrums.
Foto nicht in Rundschau. Zum vergrößern auf Foto klicken.
Foto. V. Dennebier
Von CHRISTIAN DEPPE
Sebastian
Trampnau, der Vertreter der Studierenden an der Kölner
Fachhochschule, kann über den Vorschlag nur den Kopf
schütteln: "Das ist doch ein maroder Bau, der kein Leben
hat. Nach den Veranstaltungen ist er tot, keiner hält sich
dort freiwillig länger auf. Mit der Idee, das
Ingenieurwissenschaftliche Zentrum unter Schutz zu stellen,
kann niemand von uns etwas anfangen." Auch Präsidium und
Senat der Fachhochschule sowie Kölns Stadtvorstand sprechen
sich entschieden gegen eine Unterschutzstellung des Deutzer
Gebäudeensembles aus, das Zug um Zug durch Neubauten ersetzt
werden soll.
Lange
war zwischen Sanierung und Neubau (in Bayenthal) abgewogen
worden. Nach vielen Diskussionen und mehreren Gutachten
entschied das Land, die dringend notwendige Modernisierung
des Ingenieurwissenschaftlichen Zentrums (IWZ) am Deutzer
Standort umzusetzen, Neubauten zu erstellen und die
Altbauten abzureißen. Nun, da ein entsprechender
städtebaulicher und freiraumplanerischer Wettbewerb
ausgelobt wird, fordert der Rheinische Verein für
Denkmalpflege, das IWZ unter Schutz zu stellen. Ein
entsprechendes Prüfverfahren hat die Bezirksregierung Köln
im Anschluss an eine in Bensberg anberaumte Studienkonferenz
zur Architektur der 1960er und 1970er Jahre schon
eingeleitet.
Würde der
Gebäudekomplex tatsächlich unter Schutz gestellt, müsste er
in seiner historischen Struktur und seinem Charakter
erhalten bleiben und denkmalgerecht saniert werden. Den
Zeitrahmen für eine Sanierung haben die Gutachter mit 15 bis
zu 18 Jahren berechnet. Und teurer wäre sie auch noch: Die
Kosten für eine Instandsetzung und Modernisierung werden mit
bis zu 310 Millionen Euro beziffert, die für Abriss und
Neubau mit 250 Millionen Euro.
"Eine Sanierung
bei laufendem Betrieb ist völlig indiskutabel. Wem will man
das denn zumuten?", fragt FH-Präsident Prof. Joachim Metzner
auch vor dem Hintergrund der erwarteten zusätzlichen
Studierenden, die 2015 an die Hochschulen strömen. Und
außerdem: "Unser Raumbedarf hat sich geändert. Die
Gebäudestruktur passt nicht mehr zu dem, was wir hier heute
machen." Metzner verweist auf den gewandelten
Bildungsauftrag, auf die Veränderungen in Forschung und
Lehre. Und genauso sieht es auch Trampnau, der sich nicht
vorstellen kann, künftig auf einer Baustelle zu studieren,
nur damit völlig ungeeignete Räume mit hohem Aufwand
erhalten werden. "In manchen Seminarräume hat man das
Gefühl, man sitzt in einer Tiefgarage", berichtet er.
Auch aus Sicht
der Stadt sei das IWZ nicht denkmalwürdig, unterstreicht
Kölns Baudezernent Bernd Streitberger. Und für den Prozess
der Modernisierung sei ein Eintrag in die Denkmalliste
verheerend, für eine wirkliche Erneuerung sei der Abriss des
prägnanten Kreuzbaus sowie der Hallen und Flachbauten
zwingend erforderlich, "auch um das Hochschulareal besser
als bisher mit dem Stadtteil zu verknüpfen". Daher hat
Oberbürgermeister Jürgen Roters die Landesministerin für
Innovation, Wissenschaft und Forschung, Svenja Schulze, in
einem Schreiben darum gebeten, die Landesregierung möge von
diesem Schritt absehen. "Eine solche Unterschutzstellung
konterkarierte die aktuell laufende Vorbereitung und Planung
zur Schaffung einer zukunftsfähigen Ausbildungsstätte an
diesem Ort sowie die Einhaltung des vom Land formulierten
Zeitrahmens des Hochschulmodernisierungsplans", mahnt der
OB.
"Ein architektonisch wertvolles Objekt"
Rheinischer Verein für Denkmalpflege ist gegen
den Abriss des Gebäudekomplexes in Deutz.
Von LAURA STILLERS
Den Blick für das
Erbe der jüngeren Baugeschichte zu öffnen, statt es dem
Abriss anheimzugeben, das fordert der Rheinische Verein für
Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL). Konkret geht es
um das Ingenieurwissenschaftliche Zentrum (IWZ) der
Fachhochschule in Deutz und dessen Anerkennung als Denkmal.
Zwischen 1974 und 1978 unter Leitung des Braunschweiger
Architekten Prof. Dr.-Ing. Walter Henn entworfen und
errichtet, prägt der kreuzförmige Stahlbetonkomplex mit
seinen anliegenden Flachbauten das Rechtsrheinische. Zwölf
aufeinander gestapelte Etagen beherbergen im Hochhaus auch
heute noch Hörsäle, Werkstätten und Institutsbüros. Die
kahle, bisweilen farbig angestrichene Fassade aus Sichtbeton
mit balkonartigen Brüstungen entpuppt sich beim genauen
Hinsehen als ausgeklügeltes Zusammenspiel aus Tragarmen und
Balken. Eine Gestaltung, die sich in den 60er und 70er
Jahren als eigener Uni-Bautypus etabliert hat,
wiederzufinden auch in der Universität in Bochum.
Charakteristisch für jene Zeit ist Rationalität und ein
flexibles System. Im Inneren des IWZ machen Mittelturm sowie
Außentürme einzelne Ebenen und Trakte je nach Bedarf
kombinierbar. Konsequent folgen geometrische Formen der
Funktion: Die rhombenförmig angeordnete Decke des
Stützenbaus im Foyer wird gebrochen durch kreisförmige,
eingefasste Schächte, durch die natürliches Licht ins Innere
dringt. Die Mensa führt das zeittypische Spiel mit Farben
und Licht in Gelb-Weiß-Kontrasten und Lamellenfenster
konsequent fort. Dr. Ulrich Krings, RVDL-Vorstandsmitglied,
fordert: "Die zuständigen Behörden sollen hier genau
hinschauen. Mit einer vorschnellen Demontage würden wir ein
voll funktionsfähiges und architektonisch wertvolles Objekt
verlieren." Daher kürte der RVDL das IWZ gestern zum Denkmal
des Monats.
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