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Foto Volker Dennebier

Deutz, 02.05.2018 Der Kürassier ist auf dem Rückweg.

Baustelle für Reiterdenkmal wird am Mittwoch eingerichtet. Von Ingo Schmitz, Kölner Stadtanzeiger 02.05.2018

Erst wollte er nicht weg, und dann kam er nicht mehr wieder: Vor rund zweieinhalb Jahren wurde der preußische Kürassier von seinem Sockel in Front des Hyatt-Hotels geholt. Seitdem ward er nicht mehr gesehen. Doch nun wird seine Rückkehr vorbereitet. Am Mittwoch, 2. Mai, soll die Baustelle für einen neuen Sockel am Rheinboulevard eingerichtet werden. Im Herbst könnte der Soldat zu Pferd wieder auf seinem Wachposten stehen.

Der Sockel des Reiters war verbunden mit den Resten des alten Bahndamms am rechtsrheinischen Ufer in Deutz. Als die Überbleibsel des Damms dem Rheinboulevard weichen mussten, trat das Elend offen zutage. Im Fuß des Sockels wurden Risse ausgemacht von einer Größe, die Sorge um die Standsicherheit aufkommen ließ. An einer Sanierung führte damit kein Weg mehr vorbei.

Im Herbst 2015 packte ein Kranwagen den Kürassier am Kragen und wollte ihn flugs abheben. Doch der Preuße wehrte sich. Ein knappes Stündchen hatte die Stadt für seine Demontage veranschlagt. Sechs Stunden mussten die Arbeiter schließlich mit schwerem Gerät ackern, bis sie ihn vom Sockel lösen konnten. Danach wurde er auf einen Tieflader verfrachtet und in eine Spezialwerkstatt nach Linz verbracht. Die Experten hatten alle Hände voll zu tun. Vom bronzierten Kupfer der Statue war nicht mehr viel zu sehen. Grünspan hatte das Standbild nahezu gänzlich überzogen. Nach der Sanierung wurde die Figur eingelagert.

Die alte Pracht von 1928

"Als Erstes werden wir jetzt einen 4,5 Meter hohen Betonpfeiler errichten", sagt Stadtkonservator Dr. Thomas Werner. Er wird wieder exakt an der Stelle stehen, an dem der alte Sockel abgebrochen wurde. Allerdings hat er nicht mehr die Höhe des alten. Der maß rund sechs Meter. Dennoch wird der Kürassier auf gleicher Höhe über dem Rhein wachen wie einst. Der mittlerweile fertiggestellte Boulevard unterfüttert den neuen Sockel.

Der alte Sockel wurde von Natursteinplatten ummantelt. Die wurden vor ihrer Demontage exakt kartiert und vermessen und wie der Reiter saniert und eingelagert. Ist der neue Betonsockel fertig gegossen, werden die Platten wieder an Ort und Stelle verbracht. Dann wird alles wieder so aussehen, wie es anno 1928 von Stadtbaudirektor Adolf Abel und dem Bildhauer Paul Wynand entworfen und ausgeführt worden war.

Foto Volker Dennebier

Deutz, 15.03.2018

RÖMER Verein kritisiert Stadt für unsachgemäßen Umgang mit dem 1700 Jahre alten Denkmal. Osstore und Historischer Park Deutz am Rheinboulevard  in Deutz.
 
VON DIRK RIßE Kölner Stadtanzeiger
15.03.2018

 

Während die Restaurierungsarbeiten am römisches Osttor in diesen Tagen erwartungsgemäß begonnen haben, schwelt der Streit darüber, wie man das antike Fundstück am besten schützt, weiter. "Ganze Steine bröckeln vom Römertor ab", kritisiert Thomas-Georg Tremblau vom Förderverein Historischer Park Deutz. Dagegen sehen die Stadtverwaltung und das federführende Römisch-Germanische Museum (RGM) keinen akuten Handlungsbedarf.

Restauriert wird derzeit nur die sogenannte Opferschicht, die aus dem 20. Jahrhundert stammt und auf die antiken Steine aufgetragen wurde, um sie schützen. Stein des Anstoßes sind aber die darunter liegenden Schichten der 1700 Jahre alten Römermauern. Diese liegen fast vollständig im Erdreich in der Nähe des Rheinboulevards und sind eingepackt in Flies und Noppenfolie. Nässe, die zum Mauerwerk durchdringe, könne anschließend nicht mehr abfließen, so Tremblau. Dadurch werde das Bindemittel, der Kalkmörtel, angegriffen und die Mauer zerstört.

Die derzeitigen Restaurierungsarbeiten zeigten das ganze Ausmaß der Misere: "Beim Abtragen der obersten Schicht lässt sich jetzt sehr gut erkennen, wie durchnässt und marode diese Mauern wirklich sind", so Tremblau. "Ich bezweifle, dass die geplante Maßnahme ausreichen wird, um dieses Denkmal zu retten." Einen ähnlichen Befund hatte 2013 ein Gutachten von Albert Distelrath, heute stellvertretender Dombaumeister, ergeben. Tremblau fordert nun Drainagen, damit das Wasser von den Mauern abfließen kann.

Das sieht man bei Stadt und RGM anders. "Bei Starkregen sammelt sich im Umfeld des Osttores tatsächlich regelmäßig Oberflächenwasser", so Stadtsprecherin Simone Winkelhog. "Es ist jedoch nicht richtig, dass Bodenfeuchte dem unterirdischen Bodendenkmal schadet." Der beste Beleg dafür sei das Ubiermonument, dessen Sockel, wie das römische Osttor, überwiegend aus Tuffstein besteht. "Das Ubiermonument wurde in der Rheinaue gegründet und wird seit mehr als 2000 Jahren jährlich in Teilen vom Grundwasser »geflutet«". Das Wasser schade dem Tuffstein nicht im geringsten.

Differenzen gibt es auch über andere historische Bauten, die sich im Bereich des Rheinboulevards befinden. Wie jetzt bekannt wurde, hatten Grünflächenamt und RGM dem Förderverein im Dezember mitgeteilt, dass die Drehscheibe einer preußischen Eisenbahn aus dem 19. Jahrhundert lediglich in den Boulevard eingebettet werden soll. Die Konservierungsarbeiten sollen im Frühjahr beginnen. Der Förderverein wollte die frühere Drehbühne für Lokomotiven mit einer Treppe begehbar machen. Obendrein hätte man dann einen Blick auf die historischen Überreste der Kirche Alt-St. Urban gehabt. Zudem sollen die westlichen Kastellmauern per Sandstrahlung auf dem Boulevard kenntlich gemacht werden. Derzeit wird von Archäologen ein Antrag vorbereitet, der zur Anerkennung des Niedergermanischen Limes zwischen Mittelrhein und Nordseeküste als Unesco-Welterbe führen soll. In Köln sind laut Stadt drei Bereiche interessant: der Statthalterpalast, das Flottenkastell Alteburg in Marienburg als am besten untersuchte Marinestation der römischen Flotte nördlich der Alpen und das Kastell Divitia in Deutz.

Der Ostturm und das Kastell Divitia

Der Ostturm ist Teil des Kastells Divitia, das die Römer in den Jahren 310 bis 315 gegen Angriffe der Germanen errichteten. Der quadratisch angelegte Bau, in dem 800 bis 1000 Soldaten lebten, hatte eine Seitenlänge von 141 Metern. Die Türme sollen bis zu 16 Meter hoch gewesen sein, die Mauern bis zu vier Meter dick. Das Kastell, in dem es neben den Kasernen auch Badehäuser gegeben hatte, wurde von den Franken eingenommen, nachdem die Römer abgezogen waren.

Foto Volker Dennebier

Deutz, 28.09.2017,KASTELL Förderverein überreicht Stadt 12 500 Euro für die Sanierung des Bauwerks in Deutz.VON DIRK RIßE, Kölner Stadtanzeiger 28.09.2017. Langsam, aber unaufhaltsam bröckeln die Steine an der Außenfassade des römischen Osttors ab. Für Thomas-Georg Tremblau, den Vorsitzenden des Vereins Historischer Park Deutz, an schwer auszuhaltender Anblick. "Das Osttor ist ein bedeutsames historisches Denkmal, das die 1700-jährige Geschichte von Deutz widerspiegelt", sagte Tremblau bei einem Treffen mit Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die sich das Gelände am Rheinboulevard ansah. Bei einem Rundgang sah Reker zudem den Gewölbekeller unter Alt St. Heribert, in dem noch römisches Mauerwerk zu sehen ist..

Bedenklicher Zustand

Das Problem mit dem Osttor sei, dass das Regen- und Grundwasser dem Römerturm zu schaffen mache. "Das Tor ist in einem bedenklich Zustand", so Tremblau, dessen Verein eine Patenschaft für das Bauwerk übernommen hat. "Die Mauern sind seit Jahren nass, die Steine vermodern." Zwar habe das Römisch-Germanische Museum zugesagt, das Tor mit einer Abdeckung zu schützen. Um den Römerturm müsse schnellstens eine Drainage verlegt werden, die das Wasser ableitet, fordert Tremblau. Zu diesem Zweck hatte der Förderverein 12 500 Euro gesammelt und Reker überreicht.

Der Ostturm ist Teil des Kastells Divitia, das die Römer in den Jahren 310 bis 315 gegen Angriffe der Germanen errichteten. Der quadratisch angelegte Bau, in dem 800 bis 1000 Soldaten lebten, hatte eine Seitenlänge von 141 Metern. Die Türme sollen bis zu 16 Meter hoch gewesen sein, die Mauern bis zu vier Meter dick. Das Kastell, in dem es neben den Kasernen auch Badehäuser gegeben hatte, wurde von den Franken erst eingenommen, nachdem die römischen Soldaten abgezogen waren.

Bei den Bauarbeiten zur Hochwasserschutzwand und zum Rheinboulevard wurden viele bedeutende Funde zum Kastell gemacht. Außer römischen Mauern wurden Bauen freigelegt, die aus nachrömischer Zeit stammen: Darunter befindet sich der Wehrturm des Grafen von Berg aus dem zwölften Jahrhundert, die Drehscheibe der Bergische Märkischen Eisenbahn, ein preußischer Bahndamm sowie Mauern der früheren Kirche Alt St. Urban. Während ein Teil des Bahndamms sowie die Drehscheibe in den Rheinboulevard integriert wurden, wurden andere historische Bauten nur in Umrissen durch Pflastersteine kenntlich gemacht. Diese erkennen aber nur Experten.

Derzeit haben Förderverein, Stadt und das Römisch Germanisches Museum eine Arbeitsgruppe gebildet, die darüber nachdenkt, wie man den Rest der historischen Bauten für die Öffentlichkeit sichtbar machen kann. Wenig strittig ist offenbar, die mit Kies gefüllten Kästen im Süden des Rheinboulevards - ohnehin als Provisorium gedacht - zu entfernen und mit Glasplatten abzudecken. Dann hätten die Besucher einen freien Blick auf die Mauern von Alt St. Urban sowie auf Teile des Westtores. Würde man zudem die Drehscheibe, die derzeit mit Schotter abgedeckt ist, begehbar machen, könnten die Gäste weitere Teile von Alt St. Urban entdecken. Tremblau träumt weiter davon, an der Urbanstraße einen Teil der römischen Nordmauern freizulegen.

Die Arbeiten könnten sich auch ökonomisch lohnen und viele Touristen anziehen. Denn der UN-Wissenschaftsbehörde Unesco liegt ein Antrag vor, den Niedergermanischen Limes, dessen Teil das Deutzer Kastell ist, zum Weltkulturerbe erklären zu lassen. Das Kulturdenkmal würde vom niederländischen Oude Rijns über Deutz bis nach Niederbreisig führen und sich aus drei Dutzend Kastellen zusammensetzen. Eine Entscheidung wird in den nächsten zwei bis drei Jahren erwartet.

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Deutz, 08.02.2017 Fotomontage Ausgrabungen Historischer Park Deutz. Foto Nr. 1 : So würde heute der Boulevard aussehen wenn die Ausgrabungen von 2010 noch sichtbar wären. Fotomontage Ausgrabungen 2010 und Boulevard fertig 2017 Foto Nr. 2 : Jetziger Zustand. Nachtrag Foto 1: Das und noch mehr liegt noch im Boden !

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V. Dennebier

Ausgrabungsstätte 2010,. Foto Volker Dennebier

Das konstantinische Brückenkopfkastell am rechten Rheinu1er in Köln·Deutz nimmt in seiner musterhaften Gestaltung eine Sonderstellung unter den spätantiken Militärstandorten in Germanien ein. Jüngste Ausgrabungen erbrachten neue Ergebnisse zur Innenbebauung des Kastells.Kaiser Konstantin I. verstärkte ab 310 n.Chr. nicht nur die bestehenden linksrheinischen Befestigun­gen, sondern errichtete auch aui dem rechten Rheinufer das Kastell Divitia lDeutzL Es handelt sich um ein Brückenkopfkastell. das durch eine steinerne Brücke mit der gegenüberliegenden Stadt Colonia Aqrippitia [Köln] verbunden war. Die überlieferte Bauinschrift hebt hervor, dass das Kas­tell von Konstantin nach Unterwerfung der fran­ken und auf deren eigenem Gebiet erbaut worden sei. Der vorgeschobene Verteidigungsposten im Barbarenland war sicherlich auch ein Zeichen rö­mischen Herrschaftsanspruchs. In einer zeitgenös­sischen Lobrede auf Konstantin den Großen wird die erste feste Brücke über den Niederrhein, dort, wo der Strom seine volle Breite auf ca. 400m entfal­tete, als Sieg über die Natur gefeiert. Die Fertigstel­lung der Rheinbrücke und des Brückenkopfkas­tells noch bei Anwesenheit des Kaisers 'sub pra­esentia priricipis) fällt in das Jahr 315.

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DAS KASTELL                           

Das Kastell Divitia bestand aus einem grabenum­wehrten Mauergeviert mit einer Seitenlänge von ca. 141 m, in das vierzehn Rundtürme und zwei von Doppeltürmen flankierte Tore eingegliedert wa­ren. Die Wehrmauern [Kurtinen] zwischen den Türmen besaßen eine Stärke von durchschnittlich 3,3m und eine rekonstruierte Höhe von Sm. Die runden Türme mit ihren ca. 4m starken '-lauern sprangen gegenüber den Kurtinen außen weit vor. Die etwa 5m breite Lagerstraße [via praetoria ver­lief vom rheinseitigen Westtor bis zum landseitigen Osttor, Sie bildete eine zentrale Verkehrsachse. an der je acht langgestreckte Baracken zu beiden Sei­ten aufgereiht waren. Das Zentrum des Kastells mit der Lagerkommandantur und der Lagerverwal­tung wurde durch Säulenreihen entlang der viapraetoria herausgestellt. Trotz der für die Spätanti­ke charakteristischen Mauerstärken nimmt das Brückenkopfkastell in seiner mustergültigen Ge­staltung eine Sonderstellung ein, denn bereits be­stehende Römerlager am linken Rheinufer der Pro­vinz Germania secunda wurden in der Regel nur verstärkt, so dass ihre Innenbebauung kein ein­heitliches Muster aufwies. In Köln-Deutz ermög­lichte hingegen die Gründung des vorgeschobenen Verteidigungspostens eine regelhafte Planung am Reißbrett. Aus der Funktion als Brückenkopf am ost-westlichen Rheinübergang ergab sich die ach­sensymmetrische Raumgliederung der Lagerin­nenbauten ..

KASERNEN UND BADEANLAGEN

Die innere Ordnung des Kastells wurde von 16 etwa 60m langen und 12m breiten Kasernen be­stimmt, in denen das schätzungsweise 1000 Mann starke Hilfstruppenkontingent untergebracht war. Zunächst gewinnt man den Eindruck, dass kein Raum für die benötigte Lagerinfrastruktur, d.h. Speichergebäude [horrea}, Werkstätten [fabricae] oder Badeanlagen [balnea}, zur Verfügung gestan­den hätte. Anlässlich der Erweiterung des ehemali­gen Lufthansa-Hochhauses 2010/11 bestätigten ar­chäologische Ausgrabungen aber nicht nur die von Gundolf Precht rekonstruierte Anordnung der Mannschaftsunterkünite, sondern erbrachten auch neue Ergebnisse zu deren räumlicher Unterteilung. Am südlichen Kopfende einer Baracke konnte die Wange eines west-östlich orientierten, 5,20m lan­gen Heizraumes lpraefurniuml mit Schürkanal aus gemauerten Tuffsteinen nachgewiesen werden. Ein Vergleich mit einer Kanalheizung für eine der Stuben im Kastell Divitia zeigt, dass es sich nicht um eine einfache Wohnraumheizung handelt. Ebenso wenig kommt ein Schürkanal eines handwerklich genutzten Ofens in frage. Aufgrund sei­ner Größe ist das 1.15m hoch erhaltene praefurni­um sehr wahrscheinlich als Beheizung für Kessel und Hypokaustum einer Badeanlage zu verstehen. Aus heutiger Sicht erscheint eine Badeanlage in ei­nem der langgestreckten Innenbauten mit Mann· schaitsunterküniten ungewöhnlich. Aus römi­scher Sicht ist die bauliche Verbindung von Bad und Wohnraum aber üblich - man denke nur an die Privatbäder in ländlichen Villen wie beispielsweise in Ahrweiler; Das Kastellbad wirit die Frage auf, ob neben den Mannschaftsunterkünften nicht auch andere funktionale Einrichtungen innerhalb der Baracken zu suchen sind.

Die Wasserversorgung des Kastellbades dürfte über einen etwa lüm entiemt gelegenen Brunnen eriolgt sein. Aus dessen Veriilllung stammen Frag­mente von Terra-sigillata-Schüsseln aus den Ar­gonnen. die in das zweite Viertel des 4. bis ins erste Drittel des 5. Jahrhunderts zu datieren sind, sowie etwa 20 Münzen aus der Zeit bis kurz vor 400 n. Chr. Offenbar wurde der Brunnen zu Beginn des 5. Jahr· hunderts verfüllt und damit die Badeanlage aufge­geben.

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DIE VIA PRAETORIA

Anlässlich der Errichtung des Rheinboulevards, ei­ner großen Freitreppe zwischen Hohenzollernbrü· cke und Deutzer Brücke, wurde 2015 von Miterbei­lern des Römisch-Germanischen Museums ein fast 400m2 umfassendes Areal entlang der i·ia praeto­ria freigelegt. Bereits die unterirdische Abwasser­kanalisation lässt die koordinierte Bauplanung und -ausführung des konstantinischen Kastells er· kennen. Unter der via praetoria verlief ein Haupt· sammler, dessen Grabenverfüllung auf einer Länge von 21 m verfolgt werden konnte. Ursprünglich be­saß der Abwasserkanal eine kastenförmige Ver· schalung aus Holzbrettern. Die Seitenwände wur­den durch spitz zugeheilte Rundhölzer stabilisiert, die man in den anstehenden Hochflutlehm gesetzt hatte. Auf der Sohle war der Holzkanal etwa 50cm breit. Die hölzerne Abdeckung ruhte etwa 60cm höher auf den Grabenschultern. Mit einem Gefälle von 1.6 Prozent wurde das Abwasser in Richtung Rhein abgeleitet.

Dass man von einer geregelten Abwasserentsor­gung innerhalb des Kastells ausgehen kann, wird auch anhand der Zuleitungskanäle deutlich. Im Un­tersuchungsbereich wurden zwei Nebenkanäle er· fasst, die jeweils zwischen den Mannschaftsunter­künften verliefen und von Norden in den Haupt­sammler einmündeten. Auch diese Kanäle besaßen ursprünglich eine Verschalung aus Holzbrettern. Sehr wahrscheinlich wurden die Holzkanäle über einen längeren Zeitraum gewartet und immer wie­der erneuert. worauf dicht nebeneinander liegende Pfostenlöcher hinweisen.

Oberhalb des verfüllten Abwasserkanals befindet sich nicht, wie man erwarten würde. der spätrömi· sehe Straßenkörper. Allein mittelalterliche und frühneuzeitliche Straßenbefestigungen sind erhal­ten. von denen eine auf das 9. Jahrhundert zurück· geht. Nachdem keine regelmäßige Instandhaltung mehr stattfand, wollte man offenbar den völlig zu· gesetzten Abwasserkanal wieder nutzbar machen. Da her trug man den spätrömischen Straßenkörper ab und erweiterte den Abwassergraben im oberen Bereich. Mit einer Breite von 3-4m nahm er nun ei­nen großen Teil der einstigen via praetoria ein. Diese Maßnahme dürfte vor der karolingischen Zeit stattgefunden haben. Nachdem auch dieser breitere Kanal verschlammte, trug man schließlich die genannten mittelalterlichen Straßenbefesti­gungen aus Ziegelbruch, Kieselsteinen und klein­teiligen Bruchsteinen auf. Ab diesem Zeitpunkt lag zwar keine geregelte Entwässerung mehr vor. Die Ost-West verlaufende Hauptstraße bestand aber weiter und wurde auch zur Zeit der Bischofswahl von Willibert 870 im .Duiza castrum" genutzt, wor­aus die weiterhin große Bedeutung des Standortes klar hervorgeht.

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