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Keimzelle von Deutz rückt in den Fokus

Fördervereins setzt sich für das römische "Kastell Divitia" als Weltkulturerbe ein

VON MARKUS FREY Kölnische Rundschau, 16.02.2016

DEUTZ. Für alle Geschichtsfreunde wäre es ein Traum, für die Kämpfer für den Erhalt der "Deutzer Bodenschätze" am Rheinufer Genugtuung und Ansporn zugleich. "Der Antrag läuft und liegt nun bei der UNESCO. Die Chancen sind sehr groß", ist Thomas-Georg Tremblau, Geschäftsführer und Erster Vorsitzender des "Fördervereins Historischer Park Deutz" (FHPD). zuversichtlich gestimmt. Überreste und Funde aus über 1700 Jahren Deutzer Geschichte schlummern im Boden und in Kellern zwischen Mindener Straße und Rheinufer. Darunter zahlreiche Kulturschätze, die es nach dem Willen des FHPD nicht nur zu heben, sondern der Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich zu machen gilt. Als eines der Prestigeobjekte gilt hierbei das spätrömische "Kastell Divitia" aus der Zeit Kaiser Konstantins, dessen Legionäre einst die Brücke ins linksrheinische Köln vor dem Angriff rechtsrheinischer Germanenstämme sicherten. An vielen Stellen sind die beachtlichen archäologischen Befunde, darunter Grundmauern und Turmfundamente dieser einst mächtigen Wehranlage, noch deutlich sichtbar, die, so die Hoffnung des Vereins, dereinst Teil eines neuen UNESCO-Welterbes "Niedergermanischer Limes" sein werden - Kölns zweite Weltkulturerbestätte nach dem Dom.

Ein positiver Bescheid wäre ein echtes Pfund, mit dem nicht nur die Unterstützer eines "Historischen Parks Deutz" zugunsten ihrer Sache, sondern die ganze Stadt wuchern könnte - hätte eine solche Entscheidung doch eine gesteigerte Aufmerksamkeit für die rechtsrheinischen Funde im Bereich des Rheinboulevards zur Folge, mit allen damit verbundenen Chancen für Wissenschaft, Marketing und Tourismus "Es gilt zu heben, was alles an Schätzen im Boden liegt. Das Deutzer Kastell war einst ein wichtiger Bestandteil des niedergermanischen Limes. Es wäre für Köln ein echtes Highlight, zwei Welterbestätten zu haben", betonte Hans-Detlef Kuhl, Vorstandsmitglied von "Stadtmarketing Köln", auf dem Neujahrsempfang des FHPD im Restaurant "Oasis". So hat sich mittlerweile auch die städtische Vermarktungsagentur dem Projekt verschrieben und strebt mit dem FHPD eine Kooperation an. Dass das Rechtsrheinische in Sachen Kulturförderung und Marketing lange vernachlässigt wurde, wie mancher Bürger meint, gesteht auch Stadtmarketing-Geschäftsführerin Annett Polster ein. "Lange waren wir, was die Kultur betrifft, eher im Zentrum aktiv. Jetzt wollen wir ganz bewusst den Fokus auf das Rechtsrheinische legen, und mit dem "Historischen Park Deutz" fangen wir an. Wir haben uns dem Projekt angenommen", versprach Polster. Es gebe längst auch Rückmeldungen von ortsansässigen Unternehmen, die sich beklagt hätten, dass das Thema bislang zu sehr vernachlässigt werde.

Als Stadtmarketinggesellschaft habe man das Potenzial erkannt, und es sei laut Satzung die Aufgabe, das Ansehen Kölns auf allen Gebieten, sprich in Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft, zu fördern, so die Geschäftsführerin. "Für uns geht es natürlich auch darum, Fördermittel und Sponsoren zu gewinnen. Es gibt ja durchaus potente Nachbarn", spielt Tremblau auf zahlreiche Großunternehmen in der direkten Nachbarschaft an.

Für die Mitglieder des FHPD, der in diesem Jahr sein fünfjähriges Bestehen feiert, bedeutete der Neujahrsempfang eine gute Gelegenheit, auf das bisher Erreichte zurückzublicken, aber auch seinen Mitgliedern, Freunden und Förderern einen Ausblick auf das kommende Jahr zu geben.

Stolz und glücklich sind sie auf Seiten der Parkbefürworter über die überraschende Kehrtwende der Stadt im Spätsommer 2015. Fanden sich die Ergebnisse eines früheren mit Beteiligung von Bürgern und Fachleuten durchgeführten Moderationsverfahrens zum Ärger des FHPD in den Ausführplänen für den neuen Rheinboulevard nicht oder nur unzureichend wieder, erfolgte im September 2015, wohl auch als Folge einer archäologischen Neubewertung der Funde, seitens der Stadt ein Umdenken, und es wurden Neuplanungen für die Gestaltung des südlichen Teil des Rheinboulevards nötig. So sollen die Deutzer "Bodenschätze" in diesem Abschnitt künftig sichtbar und erlebbar in den Rheinboulevard integriert werden. Dr. Marcus Trier, Leiter des Römisch-Germanischen Museums und der Kölner Bodendenkmalpflege, sprach damals anlässlich einer Pressekonferenz unter dem Titel "Spektakuläre Funde unter dem Rheinboulevard" in seinem einleitenden Vortrag über die große historische Bedeutung des Ortes "Kastell Divitia" und verdeutlichte, dass es sich hierbei um die Keimzelle von Deutz und des rechtsrheinischen Kölns handele. So werden künftig gleich ein Vielzahl historischer Überreste und Funde im Rheinboulevard erfahrbar gemacht. Hierzu zählen neben der bereits eingeplanten "Eisenbahndrehscheibe" und der "Bahndammmauer" des ehemaligen Bahnhofs "Deutz-Schiffsbrücke" aus dem 19. Jahrhundert auch der so genannte "Schinkenkessel" (römischer Eckturm und preußischer Festungsturm) und der Oberfläche des mittelalterlichen Wehrturms der Grafen von Berg nun auch die Reste des römischen Westtores des Kastells "Divitia", der nördliche Zwischenturm des Kastells und die Reste von Alt St. Urban, der ersten mittelalterlichen Pfarrkirche von Deutz.

"Wir wollen die umfangreiche Deutzer Geschichte geschützt und gesichert wissen", stellt FHPD-Schatzmeister Sascha Ringling klar. Noch in diesem Jahr sollen an den bedeutendsten archäologischen Funden wissenschaftlich fundierte Informationstafeln für Besucher angebracht werden, neue Funde darüber hinaus gekennzeichnet werden. Im Sommer soll dann auch das restaurierte Kürassier-Denkmal auf den Boulevard zurückkehren.

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