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Foto Volker Dennebier

Deutz, 25.05.2018 Kölnmesse ist auf „Wohnungssuche“.

Von Ingo Schmitz, Kölnische Rundschau, 25.05.2018

Messehochhaus: Marode Substanz und wechselnde Vermieter – Neubaupläne in der Schublade

Die Kölnmesse ist in der Welt zu Hause. Ob Brasilien, Japan oder Dubai, rund um den Globus ist das Unternehmen aktiv. Grade konnte für das Jahr 2017 eine Rekordbilanz mit rund 360 Millionen Euro Umsatz vorgelegt werden. Und wo liegt die Wurzel dieses Erfolgs? Natürlich in Deutz auf dem Messegelände mit seinem Messehochhaus. Doch grade dieses Bürogebäude spiegelt zurzeit nicht so recht den weltweiten Stellenwert des Unternehmens wider. Am Haupteingang wurde aus Gerüstbauteilen ein provisorischer Tunnel gebaut. Die Kopfseiten des Gebäudes sind bereits mit Netzen umspannt. Fassadenkletterer werden sie in den kommenden Tagen über das gesamte Hochhaus ziehen. „Die Halterungen einzelner Fassadenteile ist instabil“, erklärt Herbert Marner, Geschäftsführer der Kölnmesse, die Sicherungsmaßnahmen. Ein weiterer kleiner Mosaikstein in der langen „Leidensgeschichte“ der Kölnmesse mit dem Messehochhaus. Aber vielleicht der letzte. Die Messe beschäftigt sich mit dem Gedanken, auszuziehen. Pläne dafür liegen schon in der Schublade. 2019 soll die endgültige Entscheidung fallen.

Die Kölnmesse ist nur Mieter im Messehochhaus. Und nicht immer ein glücklicher. Vor zwei Jahren hat ein Hedgefonds das Gebäude gekauft. „Es gab kein strategisches Interesse an der Immobilie“, drückt sich Marner diplomatisch aus. Das heißt, der Fonds war nur an einem gewinnbringenden Weiterverkauf, nicht an einer Investition in die Substanz interessiert. Einst in Aussicht gestellte Verbesserungen vor allem der technischen Ausstattung seien nicht weiter verfolgt worden. Die Kölnmesse minderte die Miete um 50 Prozent, wollte Druck machen. Gebracht hat es nichts. Es kam zum Verkauf. Jetzt ist ein israelisches Unternehmen Besitzer. Es hat das Messehochhaus im Paket mit weiteren Immobilien erworben. Doch auch wenn es nun so scheint, als sei der neue Besitzer durchaus am Wohlbefinden des potenten Mieters interessiert, Marner hat das Jahr 2019 ins Auge gefasst, um die Gretchenfrage zum „Wohnsitz“ zustellen. „Strategisch ist das der richtige Zeitpunkt. Unser Mietvertrag läuft noch bis 2025.“ Und sollte der neue Vermieter auf eine Verlängerung hoffen, muss er sich anstrengen, denn Marner hat einiges in der Hinterhand.

Genau gesagt sind es drei Optionen. „Wir halten schon seit Jahren ein größeres Gelände im Bereich des Messehochhauses 2 vor. Es gibt sogar einen Architektenentwurf für ein Gebäude dort.“ Doch die geplante Stadtbahnlinie für das Bauprojekt Mülheim-Süd soll dereinst über diese Fläche führen. Kein Problem für Marner. „Im Hinblick auf unsere Mitarbeiter würde ich das sogar begrüßen.“ Zudem habe die Stadt signalisiert, dass der Verlust an Fläche durch die Höhe des Neubaus wieder ausgeglichen werden könnte. Allerdings würde das eine neue Planung nach sich ziehen. „Auch kein Problem“, sagt Marner. Jedoch bräuchte die Kölnmesse dann genauere Angaben zur Stadtbahnlinie.

Als zweite Alternative zum Verbleib im Messehochhaus hat der Geschäftsführer die Messe-City im Blick. Dort wachsen die Bürogebäude bereits gen Himmel. Marner ist sich sicher, dass sich auf dem Areal etwas für die Kölnmesse finden lässt. Als dritte Option gibt es eine Idee, die an anderen Messestandorten schon umgesetzt wurde: Ein Bürogebäude über einer Messehalle. „Eine unserer Hallen käme dafür in Frage.“ Welche, sagt der Geschäftsführer noch nicht.

Wie konkret die Überlegungen sind, lässt sich auch daran ablesen, dass die Kölnmesse mit ihren Mitarbeitern gerade eine „Analyse der aktuellen und zukünftigen Bürosituation“ durchführt. „Wir wollen unsere Mitarbeiter nicht einfach in ein Großraumbüro setzen“, sagt Marner. Es sollen Raumlösungen für die moderne Arbeitswelt gefunden werden. Experten führen die Vorschläge zusammen. „Ich erwarte mir von der Umsetzung des Konzepts einen Motivationsschub für unsere Mitarbeiter“, so der Geschäftsführer. Könnte die Umsetzung des Konzeptes auch im jetzigen Messehochhaus stattfinden? „Schwierig, das gibt die Raumaufteilung kaum her“, sagt Marner – und es klingt fasst schon wie ein Vorentscheid. Doch was wird dann aus dem Messehochhaus? Die Messe als Mieter kann das wohl nur bedingt beeinflussen. Marner sagt: „Wir wünschen keinen Leerstand.“

Wie halten schon seit Jahren ein größeres Gelände vor.

Herbert Marner Geschäftsführer

 

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